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28. April 2021 | Wissen
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Berufsstruktur der Bundestagsabgeordneten seit 1990

Was haben die Abgeordneten des Deutschen Bundestages gemacht, bevor sie ihr Mandat angetreten haben? Und wie hat sich die berufliche Struktur des Bundestages über die Jahre hinweg verändert? Polit-X hat für Sie die erlernten Berufe sowie die Vorberufe aller MdBs seit 1990 visualisiert.


Grundberufe der Abgeordneten

Als Grundberuf wird das Berufs- beziehungsweise Tätigkeitsfeld bezeichnet, das der jeweilige Abgeordnete nach seinem höchsten Bildungs- oder Berufsabschluss, aber noch vor Eintritt ins Parlament erlangt hat. Es handelt sich also um den erlernten Beruf. Erfasst wurden die Berufsgruppen, in denen fachlich nahestehende Berufs- und Tätigkeitsfelder guppiert werden.



In allen acht Legislaturperioden seit 1990 stellen die Geistes- und NaturwissenschaftlerInnen die größte Gruppe unter den Abgeordneten des Deutschen Bundestages, gefolgt von Berufen im Rechts- und Vollstreckungswesen sowie LehrerInnen. Während der Anteil der Abgeordneten, die einen Beruf im Rechts- und Vollstreckungswesen erlernt haben – also etwa JuristInnen – über die Jahre relativ konstant blieb, hat der Anteil der Geistes- und NaturwissenschaftlerInnen im Bundestag zugenommen. Besonders auffällig ist dies in der aktuellen Legislaturperiode: 270 von insgesamt 711 Abgeordnete waren zuvor in diesem Feld tätig, das entspricht 38% im Gegensatz zu 20-22% von der 12. bis zur 15. Wahlperiode. Der Anteil der LehrerInnen im Bundestag hat sich hingegen in den letzten Jahren verringert: Von 15% (96 MdBs) in der 15. Wahlperiode auf aktuell 6% (44 MdBs).


Vorberufe der Abgeordneten

Im Gegensatz zum Grundberuf bezeichnet der Begriff „Vorberuf“ die letzte hauptamtliche Tätigkeit vor Eintritt ins Parlament. War ein MdB direkt vor dem Eintritt in den Bundestag Mitglied eines Landtages, wird der Beruf berücksichtigt, der vor dem Eintritt in den Landtag ausgeführt wurde. Der Vorberuf wurde – soweit vorhanden – aus den anzeigepflichtigen Angaben der MdBs entnommen.



Aus den Vorberufen wird ersichtlich, dass über alle beobachteten Legislaturperioden hinweg sehr viele MdBs – nämlich zwischen 33% und 42% – bereits vor ihrem Mandat in Politik und Verwaltung tätig waren. Außerdem wird deutlich, dass zwar viele MdBs Berufe aus dem Rechts- und Vollstreckungswesen erlernt haben, direkt vor dem Eintritt ins Parlament ausgeübt werden diese Berufe jedoch deutlich weniger. Auch der Anteil an Geistes- und NaturwissenschaftlerInnen, die als solche bis unmittelbar vor Eintritt in ein Parlament tätig waren, ist deutlich kleiner als derjenige, der ursprünglich einen Beruf in diesem Feld erlernt hat.


Berufsstruktur der Abgeordneten in der aktuellen Wahlperiode

Für die aktuelle Wahlperiode, also seit 2017, liegen die Angaben zu Grund- und Vorberufen auch auf die einzelnen Fraktionen aufgeteilt vor. Die nachfolgenden Visualisierungen erlauben einen direkten Vergleich.



Der am häufigsten erlernte Beruf unter den Abgeordneten ist mit großem Abstand der der JuristIn. Diese stellen jeweils die größte Berufsklasse in den Fraktionen der CDU/CSU (80 MdBs; 33%), SPD (29 MdBs; 19%), FDP (23 MbDs; 29%) und AfD (23 MdBs; 24%). Die zweitgrößte Berufsklasse, die im aktuellen Bundestag vertreten ist, sind die PolitologInnen. Sie stellen mit 21% (14 MdBs) die größte Gruppe in der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, und mit 9% (6 MdBs) die größte Gruppe in der Linksfraktion – diese fällt generell durch ein sehr ausdifferenziertes berufliches Spektrum auf. Auch in der SPD-Fraktion sind PolitologInnen mit 13% (20 MdBs) in einer relativ großen Zahl vertreten. Darüber hinaus fällt auf, dass sich in der CDU/CSU-Fraktion die meisten gelernten LandwirtInnen (10) befinden, während die Fraktion der Linken die meisten HistorikerInnen und PhilosophInnen pro Fraktion (4) stellt. In der AfD-Fraktion dominieren die JuristInnen ebenfalls – knapp ein Viertel der Abgeordneten haben Jura studiert –, ansonsten ist keine Berufsklasse in größerer Zahl vertreten.


Vorberufe nach Fraktionen


Betrachtet man die Vorberufe der aktuellen Bundestagsabgeordneten, so fällt als allererstes auf, dass über 50% der Linkspartei zuvor als Partei-, Gewerkschafts- oder VerbandssekretärInnen beziehungsweise -funktionärInnen tätig waren. Auch bei der Fraktion der Grünen liegt der Anteil dieser Berufsklasse mit 36% (24 MdBs) recht hoch und in der AfD-Fraktion bilden die Abgeordneten, die zuvor in diesem Feld tätig waren, mit 13% (12 MdBs) ebenfalls die größte Gruppe. Passend zu den hohen Anteilen derer, die Jura studiert haben, ist in der CDU/CSU- sowie in der FDP-Fraktion der am häufigsten vorkommende Vorberuf der der RechtsanwältIn. Des Weiteren sind weder bei der Grünen- noch bei der Linksfraktion aktuell ehemalige UnternehmerInnen, GeschäftsführerInnen, Verwaltungsfachleute oder LehrerInnen vertreten.



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