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28.11.2018 – Polit-X-Blog
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Politikmonitoring für die Interessenvertretung im Verband – Teil II

Politisches Monitoring für Verbände

Vor allem wegen der hohen Kosten und Koordinierungserfordernisse verzichten viele Verbände und Organisationen auf Büros in Berlin bzw. in den Landeshauptstädten. Auch die Beauftragung einer Public-Affairs-Agentur oder einer Rechtsanwaltskanzlei mit der eigenen Interessenvertretung überschreitet häufig die Möglichkeiten vieler Verbände. Wenn sich Verbände keine Hauptstadtrepräsentanz und keine Agentur leisten können oder wollen, trotzdem aber über ihre Themen angemessen informiert sein müssen, ist die Nutzung eines politischen Monitorings für die systematische Politikbeobachtung eine effektive Alternative und heute eigentlich unverzichtbar.

Die Entscheidung eines Verbandes einen Dienst zum Politikmonitoring in Anspruch zu nehmen, ist eine strategische Entscheidung, um mit einem vergleichsweise geringen Aufwand stets auf der Höhe der politischen Debatte zu sein. Die eigene Handlungsfähigkeit und Schlagkraft auf der politischen Bühne kann damit jedenfalls erheblich gestärkt werden.

Bei der Auswahl gilt es, Qualitätsmerkmale zu beachten. Die tagesaktuelle und kontinuierliche Bereitstellung von politischen Dokumenten aus Bundestag und Landesparlamenten sowie den Ministerien sollte obligatorisch sein. Die Bereitstellung weiterer Informationen z.B. aus Behörden, Fraktionen, Medien, Social Media und weiteren Institutionen kann darüber hinaus von großen Nutzen für einen Verband sein. Diese Dokumente werden von den Nutzern durch eigene Suchbegriffe gefiltert und im Volltext systematisch erschlossen. Die Zahl der wirklich relevanten politischen Dokumente reduziert sich dann oft deutlich. Es sind aber genau diejenigen, die für einen Verband und seine Mitglieder von Interesse sind.

Politische Stakeholder- und Trendanalysen

Darüber hinaus leistet ein gutes politisches Monitoring Hilfestellung bei der politischen Analyse. Das Tool Polit-X bietet neben der täglichen Lieferung politischer Dokumente mittlerweile auch Parlamentsanalysen und weitergehende Auswertungen. So können diejenigen Abgeordneten identifiziert werden, die auch tatsächlich zu einem Thema arbeiten. Diese Issue-Analysen basieren auf der aktuellen fachlichen Arbeit einzelner Abgeordneter bzw. ganzer Fraktionen. Die Ergebnisse der Analysen können genutzt werden, um die verbandseigenen politischen Netzwerke zu prüfen. Die Auswertung politischer Dokumente erlaubt es außerdem, politische Trends zu prognostizieren. Ein solches Frühwarnsystem kann negative Entwicklungen frühzeitig sichtbar machen.

Externe Interessenvertretung und interne Verbandskommunikation

Verbände erreichen mit dem Einsatz eines Politikmonitorings Vorteile sowohl für die externe Interessenvertretung wie für die interne Verbandskommunikation. Für die externe Interessenvertretung erreicht der Verband einen Informationsvorsprung, hört das Gras in den relevanten Parlamenten und Ministerien wachsen und stößt auf wichtige Dokumente aus unerwarteten Quellen. Die politisch Verantwortlichen auf Bundes- wie Landesebene können ihre Themen dauerhaft beobachten und eine fundierte Verbandsmeinung auf dieser Grundlage für die politische Interessenvertretung zusammenfassen.

Weiterhin kann ein solcher Dienst dazu genutzt werden, die externe Kommunikation zu stärken. Der verbesserte, beschleunigte und umfassende Zugang zu politischen Informationen führt beispielsweise zu einer erhöhten Kampagnenfähigkeit eines Verbandes und seiner Mitglieder. Der verbandsinterne Nutzen politischer Monitoringdienste liegt in ihrer Flexibilität, Aktualität und Schnelligkeit. Jede Verbandsebene kann sich mit ihren Themen auf allen politischen Ebenen befassen, die den Mitgliedern unter den Nägeln brennen und diese individuell aufbereiten. Diese Flexibilität ist auch deshalb von Bedeutung, weil die Interessen der einzelnen Verbandsgliederungen heute tendenziell stärker divergieren als früher. Mit der Nutzung von politischen Datenbanken lassen sich diese unterschiedlichen Informationsbedürfnisse und -erwartungen der einzelnen Ebenen leichter zufrieden stellen.

Wer systematisch und verlässlich informiert ist, hat in der politischen Auseinandersetzung die besseren Karten und kann argumentativ bestehen. Bruchstückhafte Informationen dagegen führen leicht zu Unschärfen oder gar Falschaussagen, die heutzutage schnell widerlegt werden können.

Zum Autor:
Dr. Thomas Freund, Staatssekretär a.D., war Regierungssprecher der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin und Bevollmächtigter seines Landes beim Bund. Heute arbeitet er als freiberuflicher Politikberater in Berlin.